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vita - ott-grafik.de

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Michael Ott                                                               
   
1961 Geboren in Isny im Allgäu            
1983   – 88 Studium an der Pädagogischen   Hochschule in Freiburg,  Hauptfach: Kunst, Schwerpunkte: Grafik und Druckgrafik, Tutor für Hoch- und Tiefdruck
      
Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, In- und Ausland (Auswahl):         
2025 Isny (arkade)
2023 Karlsruhe (Ausstellung des   BBK Landesverbandes)            
2022 Avelino (Caleidoscopio Friburgo)            
2021 Freiburg (BBK)            
2019 Isny (Espantorturm, Arkade)            
2017 Five Gallery, Lugano            
2017 Padua (Kaleidoskop)            
2013 Freiburg (Ausstellung des Landkreises), Veröffentlichungen, Bildungsverlag 1(Winklers), 2013            
2012 Ebringen (Bad. Kunstforum, Erinnerungen), Uhldingen            
2011 Isny (Espantorturm, Zeichnung), Freiburg (Videoinstallation, Erinnerungen)            
2010 Freiburg (Wasserschlössle, Videoinstallation), Freiburg (T66 Kulturwerk, die Sammlung), Freiburg (T66 Kulturwerk, Zeitgleich)            
2009 Freiburg (Teilnahme Medienkunstpreis Oberrhein, 20 minutes of attention)            
2008 Karlsruhe, Isny (Espantorturm, Fotografie und video), Freiburg (Wasserschlössle, Videoinstallatioan), Ebnet, Freiburg (Museum für Stadtgeschichte, Erinnerungen), Basel (regionale)            
2007 Stuttgart (Künstler-Messe), Freiburg (2D „one night-one artist“, video im T66), Freiburg (Diakonie), Freiburg (Ausstellung des   Landkreises)            
2006 Isny („Schöne Aussichten“, Espantorturm), Isny (städt. Galerie)            
2005 Dornbirn, ART-Bodensee, Veröffentlichungen in "Kein Kinderkram", Winklers-Verlag Darmstadt,   2005 (Winklers)            
2004 Isny (städt. Galerie)            
2003 Isny (städt. Galerie)            
2002 Calw, Karlsruhe  (Diakonisches Werk)            
2001 Isny (städt. Galerie), Überlingen/ Bodensee (Galerie Heike Schumacher)            
2000 Neustadt (Kunstforum), Überlingen/ Bodensee (Galerie Heike Schumacher), Sapporo/ Japan (int. Print Biennale Sapporo, Katalogaufnahme)            
1999 Isny (städt. Galerie), Radolfzell/ Bodensee            
1998 Karlsruhe („Revolution: XS“), Überlingen/ Bodensee (Galerie Heike Schumacher), Sapporo/ Japan (int. Print Biennale Sapporo, Katalogaufnahme)            
1997 Karlsruhe („Malstoff“), Freiburg (Galerie „art at work“), Olofstrom/ Schweden (int. Mini-Print-Biennale), Stuttgart (Teilnahme an Südwest LB), Uhldingen/ Bodensee            
1996 Freiburg (Marienbad: Die Mätresse des Bischoffs), Ravensburg (Atelier Möttelin), Freiburg (Bibliothek der PH: Buchobjekte), Breisach (Ausstellung des Landkreises),        
1995 Delemont/ Schweiz (7. int. Biennale Jurassienne)            
1994 Freiburg (Bibliothek der Pädagogischen Hochschule: Papiere)            
1993 Neustadt („Kunstherbst“)            
1992 Bad Säckingen (Villa Berberich)
      
Laudatio von Thomas Matt
Galerie Schuhmacher in Überlingen - Ausstellung: Papiere und Druckgraphik

Ich freue mich, Sie heute Abend bei der Eröffnung der Ausstellung "Papiere und Druckgraphik" von Michael Ott begrüßen zu dürfen. Dies ist für mich eine besondere Freude, da ich Michael Ott nun schon 15 Jahre kenne und mit ihm befreundet bin. Während der Vorbereitung zu dieser Rede wurde mir das besondere dieser Freundschaft einmal mehr bewußt.
Um den Menschen und damit auch den Künstler Michael Ott besser zu verstehen, habe ich versucht, das Wesentliche dieser Freundschaft in Worte zu fassen. Ein kaum mögliches Unterfangen, da eben dieses Wesentliche ohne die Sprache der Wörter auskommt. Das Grundlegende ist das Auskommen ohne die Leichtlebigkeit der Worte. Mitteilung entsteht im Sinne des Wortes "miteinander teilen", ohne große Worte aber grundsätzlich. Sie kennen vielleicht das angenehme Gefühl, neben jemandem zu sitzen und sich ohne Gespräch wohlzufühlen. Ruhe, Geduld und eine besondere Wahrnehmungsgabe gehören dazu.

Damit wäre ich nun auch bei den Wesenszügen, die den Künstler Michael Ott ausmachen.
Er Iäßt seinen Arbeiten Zeit, sich zu entwickeln. Im ursprünglichen Sinn ist er "Jäger und Sammler", er erkennt das für ihn Wesentliche und sammelt es in seinen Skizzenbüchern ein, ohne die Wesenszüge des Gesammelten zu zerstören. Er präpariert seine Beute nicht, er Iäßt sie am Leben. Vorsichtig schlägt er sie in Papier ein, jenem leichten, fragilen Medium, das sich kaum dazu eignet, Gefängnis zu sein, wohl eher Nahrung für das Eingeschlagene.

Michael Ott begnügt sich aber nicht damit, seine kostbare Beute in ein beliebiges Papier einzupacken. In vielen, schweißtreibenden Arbeitsgängen stellt er dieses selbst her. Schöpferisch ist diese Tätigkeit im wahrsten Sinne des Wortes. Zellulose, Pflanzenfasern, manchmal auch Pigmente oder Erden werden mit Wasser zu einem Brei, einem Pulp, vermengt und mittels eines Siebes in Form gebracht.
Und nun möchte ich Michael Ott selbst zitieren: "Das Schöpfen gleicht einem Ritual, welches immer wieder nach denselben Regeln zelebriert wird. Für mich ist es gleichzeitig eine Form der Meditation, die die Augen öffnet für die Freiheiten, die diese Gesetze erlauben und ermöglichen. Die entstehenden, unberührten Blätter bilden eine Projektionsfläche, eine Spielwiese für Gedanken und Ideen." Da sich mein Atelier in unmittelbarer Nähe zur Bütte von Michael Ott befindet, bin ich oft zumindest Ohrenzeuge dieses Prozesses:
ein ruhiges, konzentriertes , sich wiederholendes , freundliches Plätschern. Längere Ruhezeiten gibt es nur durch den Ablauf der Jahreszeiten, der die Bütte im Winter zu einem zwei Kubikmeter großen Eiswürfel erstarren Iäßt. Aber auch sonst legt die Natur manchmal Hand an, z.B. durch ein Blatt, das vom großen Ahornbaum über der Bütte in den Pulp fällt.

Überhaupt: Papier? Was ist eigentlich Papier?
In Erscheinung tritt Papier fast nur als Träger von Information in Form von Schrift, Farbe und Formen auf ihm. Im Alltag ist Papier ein rein dienendes Medium, daß hinter dem, was auf ihm steht, zurücktritt. Aber, um ein Sprichwort zu benützen: "Was steht zwischen den Zeilen" ... zwischen den Zeilen steht das Papier und damit das Gefühl, die Interpretation.
In der Kunst hat das Papier lange Zeit, bis zum 20.Jahrhundert, nur den Zweck, das Bild zu tragen, einen optimalen Hintergrund zu liefern. Erst zu Beginn unseres Jahrhunderts tritt Papier aus diesem Hintergrund und beginnt über die Anfänge der Collage eigenständiges künstlerisches Medium zu werden.

Wie nützt Michael Ott sein Medium, das Papier? Grundsätzlich lassen sich zwei Richtungen unterscheiden:
1. Papier als plastisch und farblich formbare Masse.
2. Papier als Bildträger mit weitestgehendem eigenständigem Charakter.
Einige der Arbeiten, die sie hier sehen haben ihren Ausgangspunkt in der Papiermasse. Der Papierpulp wird mit der Hand aus einem Eimer auf ein Sieb aufgebracht und auch die Hände geben dem Brei seine Form, wobei sich der Künstler dem Rhythmus des Materials unterwirft; d.h.: er paßt sich der Eigenheit des Materials an und korrespondiert mit ihm. Denn das Material zeigt seine Grenzen. Es fließt je nach Wasserzugabe verschieden schnell, es kann reißen, ist beim Trocknen wetterabhängig. Der Künstler spricht von der ca. eine Woche dauernden Trocknungsphase , als ein "Sich - bewähren", als ein "Meditieren" der Arbeit selbst.

In diesen Arbeiten ist Papier Form und Farbe gleichzeitig. Der Papierpulp Iäßt durch seine Beschaffenheit vor allem großflächiges Arbeiten zu, aber auch ein reliefhaftes Formen. Als zeichnerische Elemente verwendet Michael Ott Hanfschnüre, Halme, Erde oder Holzstäbe.
Die Sprache dieser Arbeiten ist eine einfache, archaische. Betrachten wir diese Arbeit (Kleinteilige), so erkennen wir zuerst ein Gesamtes, das geprägt ist von Form und Zwischenraum. Zeichenhaftes entsteht durch Reihung und korrespondiert miteinander. Aber auch getrennt von einander sprechen die einzelnen Zeichen eine Sprache, die in jedem schwingen kann: eine Grundsätzliche, Ursprüngliche.

Diese Sprache findet sich auch in der zweiten angesprochenen Richtung, in der Michael Ott das selbstgeschöpfte Papier als Bildträger verwendet.
Auch hier sind Raum, bedruckter Raum, und Zwischenraum, Papieroberfläche, gleichwertige Kommunikationspartner. Papier ist auch hier genau abgestimmtes Bildelement. Auch hier beginnt die Arbeit an der Bütte, mit dem Schöpfen des speziellen Papiers. Erst durch bestimmte Zuschlagstoffe wie z.B: Kokosfasern kann das Papier graphische Vorgänge wie z.B: eine Schraffur in einer Zeichnung ersetzen oder die Binnenstruktur einer gedruckten Form wie die des Büffels hervorheben.

Werfen wir nun noch einen Blick auf die Malerei Michael Otts.
Der in den Papierarbeiten bereits angesprochene Weg wird hier konsequent weiter verfolgt: großflächige Formen in monochromem Charakter, tiefblau oder erdfarben ragen in den Raum. Die fast architektonischen Figuren stehen nicht auf dem Boden , sie streben in den Bildgrund und verändern ihn, so wie er sie verändert.
Kommunikation, ohne Worte, still aber grundsätzlich. Korrespondenz gleichberechtigter Partner.
Begeben Sie sich nun auf die Entdeckungsreise in Michael Otts Werk. Korrespondieren Sie mit den Farben und Formen. Es gibt viel zu entdecken und es lohnt sich.
Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei.

Thomas Matt
"Materie an der Schwelle zur Form"   
Laudatio von Prof. Dr. G. Hebbecker 1992, Villa Berberich

Natürlich sprechen die Werke, wie immer, für sich. Aber gleichzeitig lösen sie Worte aus, die geäußert werden können, die an sie zurückgegeben werden können und dabei mitunter die Sichtweise des einen oder anderen Mitbetrachters streifen.
Lassen sie mich auf einem kleinen Umweg bei Aristoteles beginnen. Dieser unterschied unter den Ursachen vier verschiedene Arten:   
· die Materialursache    
· die Formalursache    
· die Wirkursache    
· die Zielursache.   
Wir können uns - im aristotelischen Beispiel - die Fertigung einer Silberschale vorstellen und uns dabei die vier verschiedenen Komponenten verdeutlichen, die dazu beitragen, daß das Ding schließlich zu dem wird, was es werden sollte: Der Silberschmied prägt (als Wirkursache) dem Material die vorgefaßte Form ein im Hinblick auf einen bestimmten Zweck (z.B. den kultischen Gebrauch). Die Wirkursache wurde verstanden als das "Woher-der-Bewegung", als das "Woher-der-Veränderung". Form und Materie bilden die beiden inneren Ursachen eines Seienden und  verbinden sich miteinander derart, daß die Form der Materie eingeprägt wird, aufgeprägt wird. Die Form bestimmt, "signiert" die Materie. Diese selbst (griechisch: "hyle", was interessanterweise "Stoff", "Materie", "Holz",   
Wald" gleichzeitig bedeutet) wurde gesehen als mehr und mehr passiv, als das gänzlich Formlose, Unbestimmte, als ein in der Unbestimmtheit dem Nichts nahekommendes unwesentliches Substrat.   
Die Form, welche der Materie das Gepräge verleiht, war vorhanden als Bild und Muster in der Vorstellung des Künstlers bzw. Handwerkers. Die Frage nach der Herkunft der Form richtete sich höchstens nach oben, zum Ideenhimmel, wandte sich aber keineswegs der Materie zu, aus der die Form möglicherweise hervorgehen könnte. Im Gefüge der vier Ursachen war in der aristotelisch-abendländischen Denkweise der Vektor eindeutig von der Form zur Materie hin (und nicht umgekehrt) eingestellt und festgemacht.   
Was wir nun in dieser Ausstellung sehen, ist die gegenläufige Frage, nicht theoretisch formuliert, sondern der Anschauung unterbreitet: Wie bewegt sich die Materie, das Material, auf die Form hin?   
Diese Frage, gegenläufig zur gewohnten Denkgeschichte, wird nicht nur gestellt. Sie ist einem Bewußtsein aufgegeben, das die subjektiv-vorgreifende Formierung der Dinge zu Objekten kritisch beleuchtet.   
Die Arbeiten von Michael Ott nun sprechen eine verhaltene, aber unüberhörbare Sprache, eine Sprache, die mir sagt:   
Das Material ist das Bild. Das Substrat von Bildern ist selber Bild.   
Das nicht gemachte, sondern "geschöpfte" Papier offenbart sein Eigenleben in Struktur und Farbigkeit.   
Die Intervention des Künstlers ist von äußerster Behutsamkeit. Das anfängliche Sichhervortasten der Form wird begleitet und beobachtet, aber nicht manipuliert.   
Materialität wechselt bei diesem Vorgehen über in andere Materialität, transportiert sich transformierend im gleichen Medium zu einer Andersheit, die nicht dem Kalkül unterworfen ist, sondern sich der Geduld des nichts erwartenden Wartens ergibt.   
Die Genese des Papierbildes vermittelt die unendlich feinen Stufen zwischen Materie als Trägheit und Materie als Träger von etwas, z.B. von Farbe, die aufgetragen wird.   
Dem Entstehungsvorgang der Papierblätter werden keine Zügel angelegt. Die Materie, das Material galoppiert gelassen im eigenen Rythmus, in eigenen Aktionen und Reaktionen. Der Künstler nimmt es dem Zusammenspiel von Gras, Hanf, Farbpigmenten, Zellstoffteilen ab, daß es ein eigenes Resultat zeitigt.   
Die Erde, im Verbund mit dem Papier, darf machen, was sie möchte. Sie arbeitet mit, sie bricht rauh auf, wo sie will, schafft glatte Felder, wo sie will. Der Untergrund wird Erscheinung.   
In eingelegten, zum Material gehörenden Schnüren nimmt die Materie den Faden der Form auf, geht sie der in ihr sich hervorhebenden Form nach.   
Linienverläufe, in sich geschlossen oder mit Anfang und Ende, zeichnen verästelt noch unerfüllte Grundmuster ins Tafelfeld und über dessen ausfransenden Rand hinaus, Bänder, die Welt einfangen können, auffangen können, aber nichts vom Gestus des besitzergreifenden Lassos an sich haben.   
Im Erspuren und Erspüren der Form ent-deckt sich die frühe Gestalt. Die Materie spricht ein erstes Wort. Ihre Sprache ist kein vollständiger Satz, sondern der An-satz zum Sprechen. Dieser Sprache des Materials wird vom Künstler enthaltsam, großzügig, ernsthaft das Mitspracherecht eingeräumt. Die Einheitlichkeit des Grundmaterials legt sich in der Fülle der Variationen umso deutlicher dar. Die Entfaltung entfaltet ihren Grund mit. Sogar die ausdrückliche Farbgebung scheint vom Papier nur toleriert zu sein (...).
(Auszug mit freundl. Genehmigung)   
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